Die Energiewende ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Viele Regionen haben bereits erkannt, dass erneuerbare Energieprojekte nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch und sozial wertvoll sein können. Auch bei uns in der Region gibt es zahlreiche Initiativen, die diesen Weg eingeschlagen haben. Von Photovoltaik-Freiflächenanlagen bis hin zu ersten Überlegungen für eine stärkere interkommunale Zusammenarbeit – ich möchte einen Überblick über laufende und geplante Projekte geben, um zu zeigen, wie lokal erzeugte Energie die Zukunft unserer Region sichern kann.
In unserer Region
Nachdem ich im letzten Blogartikel auf die Relevanz der lokalen Energieerzeugung eingegangen bin, möchte ich hier nun den Blick auf die Entwicklung unserer Region lenken. Die Energiewende ist nicht nur ein nationales, sondern auch ein regionales Anliegen. Im Landkreis Darmstadt-Dieburg und im Odenwaldkreis gibt es bereits zahlreiche Initiativen, die erneuerbare Energien gezielt fördern. Gemeinsam verfolgen wir das Ziel, nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch und sozial nachhaltig zu handeln. In beiden Landkreisen zeigen Photovoltaik- und Windkraftprojekte, dass lokal erzeugte Energie ein Schlüssel zur Energieunabhängigkeit und zur langfristigen Sicherung unserer Versorgung ist. Die Vielfalt der geplanten und bereits umgesetzten Maßnahmen verdeutlicht, wie sehr wir als Region von einer konsequenten Nutzung erneuerbarer Energiequellen profitieren können. Von den sanften Hügeln des Odenwalds bis zu den weitläufigen Freiflächen in Darmstadt-Dieburg: Die Kombination aus Solar- und Windenergie bietet uns die Chance, die Energiewende mit einer regionalen Wertschöpfung zu verbinden und gleichzeitig unsere Gemeinden fit für die Zukunft zu machen.
Photovoltaik
Photovoltaik-Projekte im Landkreis Darmstadt-Dieburg (Auszug):
- Eppertshausen: Auf einer neun Hektar großen Fläche soll bis 2025 ein Solarpark entstehen. Die Gemeindevertretung hat dem Vorhaben einstimmig zugestimmt, was einen wichtigen politischen Rückhalt darstellt.
- Reinheim: Nahe dem Weiler Hundertmorgen ist eine Photovoltaikanlage auf einem fünf Hektar großen Acker geplant. Aktuell laufen geophysikalische Untersuchungen, um archäologische Funde auszuschließen, bevor das Projekt weitergeführt wird.
- Weiterstadt-Braunshardt: Hier ist eine Photovoltaikanlage auf 5,7 Hektar in Planung. Die Fläche wird jedoch nicht als Agri-Photovoltaikanlage klassifiziert.
- Groß-Umstadt: Ein Konzept zur Nutzung von Freiflächen für Solarstrom wurde 2022 politisch beschlossen. Dieses Konzept dient als Grundlage für künftige Freiflächensolaranlagen und zeigt den politischen Willen, die Region nachhaltiger zu gestalten.
Photovoltaik-Projekte im Odenwaldkreis (Auszug):
- Beerfelden (Oberzent): Die Energiegenossenschaft Odenwald betreibt seit 2010 eine Photovoltaik-Freiflächenanlage mit 1,3 Megawatt Leistung. Aktuell plant sie eine Erweiterung um drei zusätzliche Teilfelder, um die Gesamtleistung auf fünf Megawatt zu erhöhen. Der Baubeginn ist für das dritte Quartal 2025 geplant.
- Erbach-Lauerbach: Hier hat die GGEW AG 2021 einen Solarpark mit einer Leistung von 1.235 Kilowatt errichtet. Der erzeugte Strom reicht aus, um etwa 400 Haushalte jährlich zu versorgen.
- Neusaß: Die Stadtwerke Buchen und Walldürn arbeiten gemeinsam mit zwei landwirtschaftlichen Familien an einer Agri-Photovoltaik-Anlage. Mit einer Leistung von etwa drei Megawatt soll sie Anfang 2025 ans Netz gehen.
Windkraft
In den Landkreisen Darmstadt-Dieburg und Odenwaldkreis gibt es auch zahlreiche Aktivitäten im Bereich der Windenergie. Nachfolgend eine Übersicht der bestehenden und geplanten Windkraftprojekte in diesen Regionen:
Windkraft-Projekte im Landkreis Darmstadt-Dieburg (Auszug):
- Windpark Silberberg (Ober-Ramstadt): Die EnBW betreibt hier seit 2020 zwei Windkraftanlagen des Typs Siemens SWT-DD-130 mit einer Gesamthöhe von 200 Metern und einer Leistung von jeweils 4,3 Megawatt. Diese Anlagen versorgen rechnerisch rund 5.000 Haushalte mit Strom.
- Windpark Tannenkopf (Roßdorf): Seit 2015 stehen auf dem Tannenkopf zwei Windkraftanlagen des Typs GE Wind Energy 2.5-120 mit einer Gesamthöhe von 180 Metern und einer Leistung von jeweils 2,5 Megawatt. Diese erzeugen jährlich etwa 15.000 Megawattstunden Strom.
- Windpark Binselberg (Groß-Umstadt): Auf dem Binselberg befinden sich vier Windkraftanlagen: Zwei Fuhrländer FL-1000 mit einer Höhe von 97 Metern und einer Leistung von jeweils 1 Megawatt (errichtet 1997) sowie zwei Enercon E-82 mit einer Höhe von 179,4 Metern und einer Leistung von jeweils 2 Megawatt (errichtet 2011).
- Geplante Windparks bei Groß-Umstadt und Schaafheim: In den nächsten Jahren sollen in diesen Gebieten 18 bis 20 Windkraftanlagen errichtet werden.
Windkraft-Projekte im Odenwaldkreis (Auszug):
- Windpark Hainhaus (Lützelbach): Hier stehen derzeit sechs Windkraftanlagen mit Höhen zwischen 103 und 166 Metern. Zwei weitere Anlagen mit einer Nabenhöhe von 166 Metern und einem Rotordurchmesser von 162 Metern sind im Bau und sollen bis September 2024 fertiggestellt werden.
- Windpark Heuberg (Bad König und Michelstadt): Dieser Windpark wurde kürzlich genehmigt. Damit wurden innerhalb von zwölf Monaten im Regierungsbezirk Darmstadt Windenergieanlagen mit einer Nennleistung von insgesamt 288,8 Megawatt genehmigt.
- Windpark Breuberg: Geplant ist ein Windpark in einem großen zusammenhängenden Forst auf der Gemarkung Rai-Breitenbach. Die Geländehöhe der Anlagenstandorte liegt zwischen 277 und 339 Metern.
- Windpark Mümling-Grumbach: Die PNE AG plant einen Windpark zwischen den Gemeinden Bad König und Höchst im hessischen Odenwald.
Diese Entwicklungen zeigen das Engagement beider Regionen im Ausbau der Windenergie, um zur Energiewende und einer nachhaltigen Stromversorgung beizutragen.
Leitfaden des Regierungspräsidiums Darmstadt
Das Regierungspräsidium Darmstadt hat einen Leitfaden erstellt, um die Steuerung von Freiflächen-Photovoltaikanlagen zu erleichtern. Dabei wird besonders darauf geachtet, weniger ertragreiche Böden für solche Projekte zu nutzen, um landwirtschaftliche Flächen für die regionale Lebensmittelproduktion zu erhalten. Dieser Leitfaden bietet nicht nur Orientierung für zukünftige Projekte, sondern zeigt auch den Weg zu einer nachhaltigen und ausgewogenen Nutzung unserer Ressourcen.
Warum diese Projekte wichtig sind
Die vorgestellten Projekte verdeutlichen, dass die Region nicht untätig ist, wenn es um die Energiewende geht. Sie zeigen, wie erneuerbare Energien auf lokaler Ebene geplant und umgesetzt werden können, um den Energiebedarf der Gemeinschaft zu decken. Darüber hinaus fördern sie die Akzeptanz erneuerbarer Energieprojekte, indem sie einen direkten Nutzen für die Anwohnerinnen und Anwohner bieten, sei es durch günstigeren Strom oder durch die Möglichkeit, sich an den Projekten finanziell zu beteiligen.
Die Bedeutung der Bürgerbeteiligung
Ein entscheidender Vorteil bei der Umsetzung lokaler erneuerbarer Energieprojekte liegt in der aktiven Einbindung der Bürger. Es geht dabei nicht nur darum, die Anlagen vor Ort zu betreiben, sondern den Menschen vor Ort einen direkten Nutzen zu verschaffen. Finanzielle Beteiligungsmodelle bieten Einwohnerinnen und Einwohnern die Möglichkeit, sich an den Projekten zu beteiligen und langfristig von den Erträgen zu profitieren. Dies schafft nicht nur Akzeptanz, sondern auch ein echtes Interesse an einer nachhaltigen Entwicklung.
Darüber hinaus ermöglicht die lokal erzeugte Energie auch günstigere Strompreise für die Bevölkerung. Indem der produzierte Strom direkt vor Ort verwendet wird, können Transportverluste minimiert und Kostenvorteile an die Nutzer weitergegeben werden. So profitieren nicht nur die Investoren, sondern auch die Bewohner, die günstigeren Strom beziehen können. Diese Art der Partizipation sorgt dafür, dass erneuerbare Energien als Gemeinschaftsprojekt verstanden werden. Die Bürger sind nicht nur passive Abnehmer von Strom, sondern aktive Gestalter ihrer Energiezukunft, die wirtschaftliche und ökologische Vorteile unmittelbar spüren können.
Ausblick
Die laufenden und geplanten Projekte sind ein starker Anfang. Doch sie sind nur der Anfang. Der nächste Schritt besteht darin, diese Projekte weiter auszubauen und die interkommunale Zusammenarbeit zu vertiefen. Dadurch können Synergien genutzt, Kosten gesenkt und der Weg für eine nachhaltige, lokale Energieversorgung geebnet werden.
Zusammengefasst
Die Region rund um Groß-Bieberau, den Landkreis Darmstadt-Dieburg und den Odenwaldkreis zeigt, dass lokal erzeugte Energie nicht nur ein Konzept, sondern bereits gelebte Realität ist. Mit jedem neuen Projekt kommen wir dem Ziel einer nachhaltigen, unabhängigen und wirtschaftlich sinnvollen Energieversorgung einen Schritt näher. Indem wir auf bewährte Konzepte zurückgreifen und neue Ideen fördern, gestalten wir eine lebenswerte Zukunft für alle Generationen.